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Von der Rentierforscherin zur Dominikanernovizin Im August 1998 kam ich als Austauschstudentin mit dem Erasmusprogramm nach Uppsala, Schweden. Das ich gerade dort landete, war der reine Zufall - oder Gottes gute Führung -. Ich hatte auf der Suche nach einem möglichen Studienplatz alle größeren skandinavischen Universitäten mit einer Landwirtschaftlichen Fakultät angeschrieben und die Universität für Landwirtschaft in Uppsala war die einzige, von der ich eine Antwort bekam. Eigentlich hatte ich vor, sechs Monate zu bleiben und so schnell wie möglich in die Heimat zurück zu kehren, weil ich glaubte, ich würde vor Heimweh vergehen. Aber es kam anders. Die Arbeit an der Universität gefiel mir gut und die Menschen waren so nett, das ich mich entschloss, doch ein ganzes Jahr zu bleiben. Als es dann an der Zeit war, nach Deutschland zurückzukehren, bot man mir in Uppsala für das darauffolgende Jahr eine Stelle als Doktorandin an. Ich hatte mich während der Zeit in Schweden aktiv in der katholischen Studentengemeinde engagiert. Hier hatte ich auch die Gelegenheit, mich mit meinem Glauben zu beschäftigen. Obwohl ich meine Arbeit sehr liebte, war ich nun nicht mehr so sicher ob das Analysieren von Lebensmitteln ausreichte, um meinem Leben Sinn zu geben. Damals hatte ich den ersten Gedanken ans Ordensleben. Die Kirche in der Diaspora faszinierte mich. Ich beschloss, die Stelle in Uppsala dennoch anzunehmen und die vier Jahre der Promotionsstudien dazu zu nutzen, mich zu prüfen und der Berufung eine Chance zu geben. So arbeitete ich gute vier Jahre mit der Frage, wie die Fütterung die Fettzusammensetzung von Rentierfleisch beeinflusst und wie man gesundes Fleisch mit dem typischen Wildgeschmack produzieren kann. Als es dann auf das Ende meiner Doktorarbeit zuging, war in mir der Wunsch gewachsen, meine Berufung zum Ordensleben wirklich zu prüfen und nach mehreren Besuchen bat ich bei den apostolischen Dominikanerinnen der römischen Kongregation um die Aufnahme als Postulantin. Für eine Akademikerin ist der Weg zum „Predigerorden“ wohl nicht allzu weit. Hier hatte ich das Gefühl, dass ich die Fähigkeiten die mir Gott geschenkt hat, in seinen Dienst stellen konnte. Die Verkündigung des Glaubens muss nicht zuletzt im Bereich der Naturwissenschaften geschehen. Ich glaube, dass die Dominikanerinnen, die sich ja auch dem Studium verschrieben haben, ein grossartiger Rahmen für diese Art der Verkündigung sind. Ich möchte sehr gerne nach meinem Noviziat Theologie studieren und dann auf Universitätsniveau im interdisziplinären Bereich Naturwissenschaften und Theologie weiterarbeiten. Ich bin auch zu dem Entschluss gekommen, dass ich gerne in Schweden bleiben möchte. Die Minderheitskirche in der man schnell alle kennt und die sich doch über so grosse Entfernungen streckt, ist mir sehr sympathisch. Während meines ersten Jahres im Ausland habe ich in der katholischen Gemeinde in Uppsala ein Zuhause gefunden. Ich hatte auch das Gefühl hier nicht in der unbekannten Masse zu verschwinden, sondern wirklich etwas bewegen zu können. Ich hatte das Land und die Leute schätzen gelernt und wollte von all dem Guten, das ich in diesen Jahren dort erfahren hatte etwas zurückgeben. Im Januar 2006 begann ich im Johannesgården in Göteborg mein Postulat und im Oktober desselben Jahres wurde ich in das zweijährige Noviziat aufgenommen. Unser Programm ist auch im Internet zu finden, wenngleich bisher leider nur auf Schwedisch : http://www.johannesgarden.net Die Kommunität besteht aus Schwestern verschiedener Nationalitäten. Unser gemeinsames Kommunitätsprojekt ist es, den Johannesgården zu einem Platz der Begegung und des Dialogs für Menschen verschiedener Kulturen und Glaubensrichtungen zum machen. Menschen einen Platz zu bieten, wo sie zur Ruhe kommen und ihnen auf ihrer Suche nach Gott zu helfen. Daneben arbeiten wir in verschiedenen anderen Aufgabengebieten. Schwester Hanne, aus Dänemark, besucht alte und kranke Menschen, die sonst keinen Kontakt mehr zur Kirche haben könnten. Sie schreibt jede Woche für sie eine kleine Statio. Schwester Basma ist aus dem Irak. Sie arbeitet mit irakischen Kindern und Jugendlichen und ist außerdem in der Jugendarbeit auf Bistumsebene aktiv. Schwester Madeleine ist die Vorsitzende des schwedischen „Justitia et Pax“ und koordiniert auf Bistumsebene die Arbeit mit sozialen Fragen. Schwester Anne ist unsere Ökonomin und Novizenmeisterin. Schwester Monica arbeitet mit Liturgie, Seelsorge und geistlicher Begleitung und Schwester Ahlam, ebenfalls aus dem Irak, lernt Schwedisch. Unsere älteste Schwester, Schwester Agnes, verbreitet mit 97 Jahren durch ihre Freundlichkeit und Wärme viel Freude im Haus. Gemeinsam lernen wir voneinander. Das Zusammenarbeiten verschiedener Kulturen ist mir von meiner Arbeit wichtig geworden und hier wird die gemeinsame Suche nach ’der Wahrheit’ - Veritas’ ist einer der Wahlsprüche des Dominikaner -, durch unser Zusammenleben noch intensiver. Dies ist eine Erfahrung, ohne die ich nicht leben möchte. |
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